Bischof aus Kolumbien informiert und diskutiert im Saarbrücker Rathaus

Eröffnung der Adveniat-Aktion 2004 im Bistum Trier

Saarbrücken - "Selig seid Ihr, wenn ..." ist die Adveniat-Aktion 2004 überschrieben. Im Blickpunkt der aktuellen Kampagne des bischöflichen Hilfswerkes steht diesmal Kolumbien. Mit einem Informations- und Diskussionsnachmittag im Saarbrücker Rathausfestsaal wurde am 20. November die Aktion vorgestellt. Zur Situation in Kolumbien, das seit Jahrzehnten unter einem Bürgerkrieg leidet, berichteten der Bischof Fidél León Cadavíd von Quibdó im Nordwesten und die dort in der kirchlichen Menschenrechtsarbeit engagierte Gemeindereferentin Ursula Holzapfel, die aus dem Saarland stammt. Der Saarbrücker Dechant Michael Becker konnte zu der gut besuchten Veranstaltung weitere Mitwirkende begrüßen, darunter der Geschäftführer von Adveniat, Pfarrer Bernd Klaschka und die Europa-Abgeordnete Doris Pack. Landtagspräsident Hans Ley und die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz sprachen Grußworte zum Start der Adveniat-Aktion im Bistum Trier.

Den Menschen in Lateinamerika zu helfen, dass sie "aus dem Glauben gespeist in Menschenwürde leben können", stellte Adveniat-Geschäftsführer Klaschka als das Ziel der Aktion vor. Die Kirche in Kolumbien versuche dies indem sie versuche im von Krieg gebeutelten Land Versöhnung zu stiften, Frieden zu bauen und gegen die Armut anzugehen. Aufgrund ihres konsequenten Eintretens für die Menschenrechte, etwa für die riesige Zahl der von den Paramilitärs und Guerillas vertriebenen Menschen, genieße die Kirche bei der Bevölkerung aller Schichten hohes Vertrauen. Adveniat wolle der kolumbianischen Kirche in ihrem Kampf beistehen. Das auch deshalb, weil viele Länder Südamerikas davon profitieren könnten, wenn es gelinge in Kolumbien Frieden zu schaffen. Klaschka warb um eine rege Beteiligung an der Aktion. Auch wenn es in Deutschland derzeit Probleme gebe, dürfe man darüber nicht die Sensibilität für andere verlieren. "Adveniat ist Ausdruck unserer Geschwisterlichkeit mit den Menschen in Lateinamerika", sagte Klaschka und fügte hinzu: "Wenn die Kirche davon spricht, dass Gott den Menschen liebt, dann muss sie dafür sorgen, dass diese Liebe von den Menschen auch erfahren wird."

"In unserer Diözese ist es eine grundlegende Aufgabe, für die Menschenrechte zu sorgen", stellte Bischof Cadavíd "eine der wichtigsten Punkte unserer Arbeit" vor: "eine Aufgabe, die Gefahren mit sich bringt." Die Region, in der sein Bistum liegt, werde seit Urzeiten einfach ausgebeutet. Gegen die Ausbeutung der Schätze des Landes habe sich die Zivilbevölkerung in Organisationen zusammen getan. Diese Organisationen, wie die einheimische Zivilbevölkerung überhaupt, werde nun zunehmend "zum Opfer der Politik des Großkapitals." So sei die Bevölkerung seit sieben Jahren "den Machenschaften rund um die Mega-Projekte" in der Region ausgesetzt. Dazu zählte der Bischof etwa die riesigen Plantagen für Ölpalmen. "Genau dort wo man die Plantagen errichten wollte, fanden die Vertreibungen der einheimischen Bevölkerung statt, berichtete er. Weitere Mega-Projekte seien die Abholzung des Waldes, der Anbau von Koka, die Nutzung des reichen Gen-Materials der großen Pflanzenvielfalt in der Region oder auch der Bau eines neuen Kanals vom Atlantik zum Pazifik. Die Aggressivität der interessierten Gruppen richte sich gegen Tausende Menschen, damit die ihr Land verlassen, berichtete der 53-jährige Bischof und klagte staatliche Interessen, die Paramilitärs und die Guerillas an, die Menschenrechte zu verletzen.
Kolumbien steht in diesem Jahr im Blickpunkt der Adveniat-Aktion. Das mit Kultur- und Naturreichtümern gesegnete Land ist seit Jahrzehnten Schauplatz blutiger Konflikte zwischen Guerillas, Paramilitärs, "Nationaler Befreiungsarmee" und Regierungstruppen. Leidtragende des Konfliktes ist vor allem die Zivilbevölkerung auf dem Land. Mehr als zwei Millionen Kolumbianer haben bereits ihre Heimatregionen verlassen oder wurden vertrieben. Die Kirche ist eine der wenigen Institutionen in Kolumbien, die das Vertrauen der Bevölkerung genießen.

Weitere Information: Diözesanstelle Weltkirche, Telefon 0651/7105-397