Erklärung für Frieden und Menschenrechte in Kolumbien



FRIEDEN ist die Frucht von Demokratie und sozialer Gerechtigkeit. FRIEDEN wird einkehren, wenn die Menschenrechte geachtet werden, wenn Gerechtigkeit, Wahrheit und Toleranz herrschen und die Grundbedürfnisse der Gesamtbevölkerung befriedigt sind.


Die unterzeichneten europäischen Nicht-Regierungs-Organisationen (NRO) beobachten voller Hoffnung, dass sich in Kolumbien nach 50 Jahren politischer Gewalt und internem bewaffneten Konflikt eine Möglichkeit zu politischen Verhandlungen zwischen den aufständischen Organisationen und dem Staat aufzutun scheint. Wir unterstützen diese gemeinsame Suche nach einer politischen Lösung des Konflikts, wobei die Beteiligung einer immer stärkeren sozialen Bewegung, die den Frieden einfordert, entscheidend war.


Mit dieser Erklärung, in der wir unsere Überlegungen zum Ausdruck bringen, möchten wir den beginnenden Prozess unterstützen und die Initiativen der Basisorganisationen und NRO, mit denen wir in Kolumbien zusammenarbeiten, fördern. Wir tun dies aus unserer Position als europäische Hilfswerke, NRO und Solidaritätsgruppen heraus, die wir uns seit vielen Jahren für Kolumbien, für die Mehrheit der Bevölkerung, die unter der Nicht-Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse leidet, und ganz besonders für die Opfer der zahllosen Menschenrechtsverletzungen, die VerteidigerInnen der Menschenrechte und ihre Organisationen einsetzen. Wir wollen, dass diese bedürftige Bevölkerungsmehrheit, der es an den grundlegendsten Dingen fehlt, dass die Opfer von Menschenrechtsverletzungen und die Hunderttausende von intern Vertriebenen nicht nur in diesen Friedensprozess eingebunden werden, sondern dort mit ihrer eigenen, authentischen und unabhängigen Stimme sprechen können. Sie, die am meisten unter der Härte des Krieges gelitten haben, müssen Teil dieses Friedensprozesses werden.


An die Adresse des kolumbianischen Staates und der aufständischen Organisationen möchten wir folgende Botschaft richten:










An die Adresse der europäischen Staaten, der Vereinigten Staaten und der zwischenstaatlichen Institutionen richten wir folgende Botschaft:


Wir begrüßen ihr Interesse an der Überwindung des bewaffneten Konflikts in Kolumbien mittels politischer Verhandlungen und der Einleitung eines breiten und partizipativen Prozesses mitzuwirken. Dies erfordert, auf die Initiativen und Vorschläge der bewaffneten Konfliktakteure sowie auf die Anregungen der Basis- und Menschenrechtsorganisationen und vor allem der Opfer einzugehen. Für uns ist es wichtig, die Notwendigkeit der Achtung der Menschenrechte als wesentliche Voraussetzung für das Zustandekommen eines wirklichen und dauerhaften Friedensprozesses immer wieder zu unterstreichen. Die Achtung der Menschenrechte und ihre Einklagbarkeit durch die internationale Gemeinschaft können nicht der endgültigen und erfolgreichen Beendigung eines Friedensprozesses untergeordnet werden.







Die lange Zeit der Gewalt und des internen bewaffneten Konflikts hat schmerzhafte Spuren in der ganzen Gesellschaft hinterlassen. Verzeihung wird nötig sein. Aber Verzeihung kann nur von den Opfern und niemals von den Tätern ausgehen. Verzeihung lässt sich nicht verordnen. Die Fähigkeit zu verzeihen wohnt dem Opfer inne und ist mit der Notwendigkeit verknüpft, die Wahrheit zu kennen und Gerechtigkeit zu erfahren. Nur so wird die Vergangenheit zur Vergangenheit, auch wenn sie nie in Vergessenheit gerät.




UnterzeichnerInnen:


Internationale Organisationen: FEDEFAM; Franciscans International; Caritas Internationalis; Pax Christi International; Serpaj-Europa


Persönlichkeiten: Noam Chomsky, Eduardo Galeano, José Saramago, José Ramos Horta, Dario Fo


Belgien: Nationaal Centrum voor Ontwikkelingssamenwerking NCOS; Broederlijk Delen; Oxfam Solidariteit


Canada: Canadian Initiatives for Peace within Colombia; Red de Hermandad y Solidaridad con Colombia de Canadá; SEPAL-Canadá


Deutschland: Deutsche Menschenrechtskoordination Kolumbien; Koordination "Justitia et Pax" der Franziskaner in Zentraleuropa; Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V.; Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland; Pax Christi - Solidaritätsfonds Eine Welt; terre des hommes Deutschland e.V.; Informationsstelle Lateinamerika e.V. (ILA); Katholische Junge Gemeinde (KJG) im Bistum Aachen; Kolumbiengruppe e.V., Nürtingen

Abgeordnete des Deutschen Bundestages: Rudolf Bindig; Petra Blaess; Eva Bulling-Schroeter; Roland Claus; Heidemarie Ehlert; Heinrich Fink; Ruth Fuchs; Fred Gebhardt; Barbara Hoell; Carsten Huebner; Rolf Kutzmutz; Heidi Lippmann-Kasten; Ulla Loetzer; Christa Lupt; Kersten Neumann; Christine Ostrowski; Petra Pau; Uwe-Jens Roessel; Gustav-Adolf Schur


Frankreich: terres des hommes France; Comité Catholique contre la Faim et pour le Developpement (CCFD)


Griechenland: Comité Griego de Solidaridad Democrática EEDA


Großbritannien: Catholic Institute of International Relations (CIIR), Christian Aid


Irland: Trocaire


Niederlande: Novib


Österreich: Kolumbien-Initiative für Frieden und Menschenrechte; Sozialdemokratische Gruppe der Versammlung Vorarlberg, Bregenz; Gemeinde Maeder; Gemeinde Goetzis; Gemeinde Langenegg; Gemeinde Hoerbranz; Gemeinde Ludesch; Gemeinde Zwischenwasser; Gemeinde Winklarn; Gemeinde Innerbraz; Kirchengemeinde Braz, Kirchengemeinde Frastanz; Kirchengemeinde Winklarn; Schule Winklarn


Schweden: CIVIS-Peace Building Initiative, Fundación Sueca para los Derechos Humanos; Asociación Colombo-Sueca "Simón Bolívar"


Schweiz: Gemeinschaft der Laienmissionare (CML); Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien; Fastenopfer; Hilfswerke der Evangel. Kirchen der Schweiz (HEKS); Solifonds; Romero-Haus; Swissaid; Brücke-Cecotret

Schweizer Abgeordnete: Eugen David; Leu; Peter Hess Engler; Dumeni; Columberg; Muhlemann; D. Vallender; Ruth Genner; Ruth Gonseth; Ruedi Baumann; Franziska Teuscher; J. Kuhne; Angeline Fankhauser; Ch. Keller; H. Fassler; Hans Zbinden; Peter Vollmer; Christine Goll; Thomas Burgener; Silva Bernasconi; Agnes Weber; Erwin Jutzet; Paul Gunter; Otto Hess; Rudolf Keller; William Wyss; Brigitta Gadient; Hans Ruckstuhl; Jeanpretre; A. Thanei; Armin Sans; Christienne Langenberger; Herzog; Barbara Geiser; Gabi Vermot; Jean Ziegler; Lisbeth Fehr; Jakob Trummel; Ernst Hasler; Theo Fischer; Christian Speck; Max Binder; Pia Hollenstein; Cecile Buhlmann; Alex Heim; Boris Banga; Ruth Kalbermatten; Toni Eberhard; Odilo Schmid; Josef Lotscher; Rudolf Imhof; Norbert Hochreutener; Amros Schaller; Roland Wiederkehr; Otto Zwygart; Ruth Gossenbacher; Judith Stamm; Rosmarie Dormann; Max Dunki; Barbara Haering; Ursula Hafner; Paul Rechsteiner; Gross; R.Aeppli; Didier Berberat; Francois Borer; Victor Rufy; Pierre Aguet Werner Carobbio; Franco Cavalli; Nils de Dardel; Jean Spielmann; Christiane Jaquet-Berger; Liliane Maury Pasquier; Maria Roth-Bernasconi; Yves Christen; Hans Meier; Bernard Comby; Daniel Vogel; John Durraz; Peter Tschopp; Michel Beguelin; Jean Charles Simon; R.Ostermann; R.M. Ducrot; Meyer; Andrea Hammerle; Leemann; Hans Widmer; Hans Werner Widrig; K. Bangerter; Remo Gysin; Jacqueline Fehr; Alex Tschappat; Vreni Hubmann; Doris Stump; H.U. von Allmen; Muller-Hemmi; Fredi Alder; Ernst Leueriberger; Regina Ammann Schoch; Rudolf Stramm; Christoph Eymann; Hugo Fasel; Markus Ruf; Bosshard; Peter Bircher; Hermann Weyeneth; Kathrin Kuhn; Margrith von Felten; Albrecht Rychen; Edi Engelsberger; Francois Loeb; Hanspeter Seiler; Remigio Ratti; Franco Donasi; Rudolf Rechsteiner; Jacques-Simon Eggly; Oscar Fritschi; F. Pelli; Christian Grobet; Emmanuela Blaser; Stephanie Baumann; Pierre Heby; Pierre Alain Gentil; Gian-Reto Plattner; J.P. Maitre; Lili Nabholz; Marc F. Suter; Pierre Chiffelle; Carles-Albert Antille; Trix Heberlein


Spanien: Sodepaz - Sodepau; Paz y Tercer Mundo; Intermon; Cooperacio; Ascurlas Segovias; Entrepueblos; Equipo Nizkor; Secretaría de Derechos Humanos IU, OSPML, Federación de Asociaciones de Vecinos de Barcelona FVAB, Juristes sense Fronteres, AMAT, Comité Catalá de Solidaritat amb Colombia, Asociación de Derechos Humanos de Extremadura, Comisión Ejecutiva Regional de UGT Extremadura, Juventud Obrera Católica JOC - Conciencia MOC - Cáceres, Verneda Solidaria de Barcelona


USA: Colombia Support Network, Madison WI



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Übersetzung aus dem Spanischen: Catherine Rox-Dornberg und Bettina Reis, 16.12.98

1 Die sogenannten "Sicherheitskooperativen", CONVIVIR (Cooperativas de Seguridad Rural), sind formal gesehen private Wach- und Sicherheitsdienste, die mittels Dekret 365 von 1994 autorisiert wurden. Nach dem Nationalen Sicherheitsrat dürfen diese Wachdienste nur präventive und defensive Funktionen übernehmen und sollen die ordentlichen Sicherheitskräfte auf lokaler Ebene mit geheimdienstlichen Informationen unterstützen. In der Realität überschreiten die CONVIVIR jedoch diese einschränkenden Befugnisse und tragen Offensivwaffen. Die Menschenrechtsorganisationen bewerten sie als legale paramilitärische Gruppen, die sowohl mit den offiziellen Sicherheitskräften wie mit "illegalen" paramilitärischen Gruppen kooperieren. Es sind zahlreiche Übergriffe bekannt. (Anm.d.Ü., 1998)