Artikel im "Paulinus" Nr 20 vom 19. Mai 2002, Seite 1:
Die Lage in dem von Guerilla und Militär umkämpften Gebiet in Kolumbien, in dem die saarländische Gemeindereferentin Ursula Holzapfel als Friedensarbeiterin tätig ist, bleibt angespannt.
Wie ihr Bruder, Pfarrer Matthias Holzapfel, Brebach, am 13. Mai mitteilte, sind die kampfhandlungen um die Orte Bellavista und Vegia zum Stillstand gekommen. Das Nukutär habe die Dörfer im Griff, viele Menschen seien geflohen, berichtete Holzapfel, der im telefonischen Kontakt mit seiner Schwester steht. In den tagen zuvor war die gesamte Gegend, in der sie sich zusammen mit dem Bischof der Diözese Quibdo, fidel Leon Cadavit, und dem kirchlichen Friedensarbeiter Ulli Kollwitz aufhielt, unter Beschuss geraten. Das Militär hatte das Gebiet großflächig bombardiert. Die Guerilla-Bewegung Farc wiederum hatte einen Sprengstoffanschlag auf die Kirche von Bellavista verübt, bei dem nach neuesten Erkenntnissen über 100 Menschen getötet wurden ("Paulinus" Nr. 19 vom 12. Mai 2002, Seite 1).
Die Diözese Quibdo macht Regierung und Farc gleichermaßen für die Eskalation der Gewalt verantwortlich. Der Staat habe die bitterarmen Gemeinden der Region immer im Stich gelassen, heißt es in einer Erklärung der Kommission "Gerechtigkeit und Frieden" der Diözese. Die internationale Gemeinschaft müsse eine Untersuchungskommission zur Klärung der jüngsten Vorfälle einsetzen, forderte die Kommission.
Die Bischöfe Kolumbiens haben nach dem Terroranschlag auf die Kirche von Bellavista eine Exkommunikation der Farc-Rebellen erwogen.
Informationen von Pfarrer Matthias Holzapfel:
Mittlerweile konnten die Menschen die Orte Bellavista und Vegia verlassen. Ursula Holzapfel und Ulli Kollwitz kümmern sich nun um die Versorgung der anderen Dörfer im Konfliktgebiet mit Lebensmitteln. Als Ausländer haben sie eine Chance, Lebensmittel dorthin zu transportieren, ohne überfallen und ermordet zu werden.