Kinder bei Schulausflug Opfer von Massaker

Quelle: ila Nr. 238 September 2000 (Zeitschrift der Informationsstelle Lateinamerika)

(Bonn, 25. August 2000, ila). - "Ein Kind jubelte vor Freude, und die Soldaten
begannen zu schießen". - Schwere Anschuldigungen formulieren kolumbianische
Menschenrechtsorganisationen, nachdem sie vor Ort Zeugenaussagen erhoben haben,
gegen die Truppen des Bataillons Cacique Nutibara der 4. Heeresbrigade mit Sitz
in Medellín. Am 15. August töteten die Soldaten bei einem angeblichen Gefecht mit
Guerilleros sechs Kinder. Vier weitere wurden schwer verletzt. Die Armeeoberen
räumten daraufhin "einen schweren Fehler" ein und beeilten sich, die Beteiligten
vom Dienst zu suspendieren. Sie behaupteten, bei der Konfrontation mit der
Guerilla hätte diese die Kinder als Schutzschilde verwendet. Dies berichtete auch
die internationale Presse (vgl. SZ v. 21.8.00).

Nach den Aussagen von Eltern und Lehrern, die die Kinder der Landschule der
Gemeinde Pueblo Rico (Antioquia) bei einem Ausflug begleitet hatten, gab es aber
keinerlei Gefecht. Vielmehr eröffneten die Soldaten aus unerklärlichen Gründen
das Feuer auf die Kinderschar und beschoss diese 47 Minuten lang. Der Ort des
Angriffs, eine Weide, sei noch nicht einmal mit Gestrüpp bewachsen und die Kinder
mit roten Trainingshosen und weißen Hemden gut erkennbar gewesen. Die Soldaten
hätten außerdem keine Erste-Hilfe geleistet, und trotz der inständigen Bitten von
Eltern, die die Kinder begleiteten, hätte der Truppenkommandant keinen
Hubschrauber angefordert, um das Leben der schwer verwundeten Kinder zu retten.

Bei einem vergleichbaren Vorfall erschossen Einheiten des gleichen Bataillons am
8. August einen Neunjährigen in der Gemeinde Carmen del Atrato (Departement
Chocó). In beiden Fällen wurden die Eltern und Augenzeugen wegen ihrer Aussagen
stark unter Druck gesetzt. - Die Verbrechen fanden fast zeitgleich mit der
Freigabe einer Militärhilfe von über 900 Mio. US-Dollar durch die US-Regierung
statt, die angeblich für Drogenbekämpfung verwendet werden soll. Selbst
US-Strategen räumen mittlerweile ein, dass es sich dabei um kombinierte Aktionen
von Drogen- und Aufstandsbekämpfung handelt.



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