Liebe Freundinnen und liebe Freunde
Ein gesegnetes Weihnnachtsfest.
Wahrheit, Verdad
Gerechtigkeit, Justicia
und/y
Wiedergutmachung, Reparación
Wir wünschen allen von Euch auch im Namen der Diözese Quibdó ein frohes, von viel Hoffnung geprägtes Weihnachtsfest und Segen für das Neue Jahr.
Hier in Kolumbien ist in der letzten Zeit wieder einmal viel vom Frieden die Rede, allerdings nicht weil Weihnachten vor der Tür steht, sondern weil die Regierung ihre Abmachungen zur Wiedereingliederung der Paramilitärs in das Zivilleben als konkrete Schritte zum Frieden ausgibt.
Für einen echten, dauerhaften Frieden muss jedoch das Schicksal der Opfer im Mittelpunkt stehen. Das ist nach unserer Ansicht nur unter den Leitworten "Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung" zu erreichen. Bereits seit zehn Jahren werden die Gemeinden aus ihren Dörfern vertrieben und laut unseren Kenntnissen sind es nun schon an die 15.000 Menschen die alleine hier in Quibdó Zuflucht gesucht haben. Unter diesen Menschen ist auch Delis, eine junge Frau, die in Bellavista /Bojayá durch die Bombe, welche in die Kirche einschlug, schwer verletzt wurde. Sie hat seit dem 2. Mai 2002 nun schon mehr als 15 Operationen hinter sich und kann immer noch nicht sagen, dass sie wieder gesund ist. Ihre rechte Hand kann sie nur ein ganz klein wenig bewegen. Und das ist für sie besonders schwer. Aber warum berichten wir gerade von ihr? Delis zeichnet sich aus durch ihre Ausdauer und ihre Zähigkeit, denn die Behördengänge zu erledigen, um all diese Überweisungen zu bekommen, damit sie im Krankenhaus in Medellín weiter behandelt wird, da gehört etwas dazu. Viele andere hätten dabei schon den Mut verloren, aber Delis macht weiter. Sie hat auch ihr Teologiestudium wieder aufgenommen. Zwar kommt sie nur langsam voran, aber es geht. Und nun haben wir erreicht, dass eine hiesige Computerfirma ihr einen Computer zur Verfügung stellt, damit sie ihre Aufgaben erledigen kann. Ja, wenn Menschen guten Willens sich zusammen tun, dann kann etwas erreicht werden. Leider hat Delis gerade vor ein paar Tagen einen Rückschlag erhalten. Im Rahmen eines staatlichen Umsiedlungsprogramms hat sie Anrecht auf ein neues Haus. Nun bekam sie einen Brief, in welchem ihr mitgeteilt wurde, dass sie ihr Haus verliert, wenn sie nicht sofort die Eigenleistung bar bezahlt, die sie wegen ihres Gesundheitszustandes nicht abarbeiten konnte.
Delis ist auch in diesem Fall bereit, für ihr Recht.zu kämpfen und wir werden sie dabei unterstützen. Wir machen ihr Mut und gleichzeitig macht ihr zäher Wille uns Mut und lässt uns etwas mehr vom Sinn des Weihnachtsfestes erkennen: Gott wird Mensch in einem armen Kind in der Krippe und gibt uns Hoffnung, dass das Unrecht dieser Welt wieder gut gemacht werden kann auf der Grundlage von Wahrheit und Gerechtigkeit.
Ursula und Uli
letzte Änderung: 06.03.2011
(seit 30.4.2001)